Digitale Zwillinge von StädtenIntelligente Städte

Digitale Zwillinge von Städten verändern die Planung und Verwaltung urbaner Umgebungen

Städte waren schon immer komplex, aber das Tempo und das Ausmaß der modernen Urbanisierung lassen traditionelle Planungsinstrumente veraltet erscheinen. Hier kommt der digitale Zwilling der Stadt ins Spiel, eine virtuelle, lebendige Nachbildung einer Stadt, die es Planern, Ingenieuren und politischen Entscheidungsträgern ermöglicht, städtische Systeme zu betrachten, zu testen und zu optimieren, bevor sie Entscheidungen in der realen Welt treffen. Diese digitalen Modelle revolutionieren die Stadtplanung, das Infrastrukturmanagement und die Nachhaltigkeitsbemühungen und machen Städte widerstandsfähiger, effizienter und reaktionsfähiger.

Ein digitaler Zwilling einer Stadt ist im Wesentlichen eine hochpräzise virtuelle Simulation der physischen, sozialen und wirtschaftlichen Systeme einer Stadt. Er integriert Daten von Sensoren, IoT-Geräten, Verkehrssystemen, Umweltüberwachung und Verwaltungsunterlagen, um eine Echtzeit- oder nahezu Echtzeit-Digitaldarstellung des städtischen Lebens zu erstellen. Digitale Zwillinge sind jedoch mehr als nur Visualisierungen. Sie ermöglichen es Planern, Simulationen durchzuführen, Szenarien zu testen und die Auswirkungen von politischen Maßnahmen oder Infrastrukturveränderungen, vom Energieverbrauch bis hin zu Mobilitätsmustern, vorherzusagen.

Der Markt für digitale Zwillinge von Städten wächst rasant. Da Städte durch den Klimawandel, das Bevölkerungswachstum und die alternde Infrastruktur unter Druck stehen, steigen die Investitionen in diese Tools. Analysten gehen davon aus, dass der Markt für digitale Zwillinge von Städten bis 2026 ein Volumen von mehreren Milliarden Dollar erreichen wird, wobei sich die Einführung auf Länder und Städte konzentrieren wird, die bereits führend im Bereich der Smart-City-Innovation sind.

Länder wie Singapur, die Niederlande, das Vereinigte Königreich, Finnland und Italien sind Vorreiter beim Einsatz digitaler Zwillinge.
Städte wie Singapur, Helsinki, Rotterdam, London und Mailand nutzen diese Plattformen nicht nur für die Planung, sondern auch für die Überwachung der Energieeffizienz, die Vorhersage von Verkehrsströmen und die Modellierung von Umweltauswirkungen.

Fallstudien

  • Singapur hat mit seiner Initiative „Virtual Singapore“ einen der weltweit umfassendsten digitalen Zwillinge einer Stadt geschaffen. Diese Plattform integriert hochauflösende 3D-Modelle mit Echtzeitdaten von Sensoren aus den Bereichen Verkehr, Versorgung und Umwelt. Planer können damit alles simulieren, von städtischen Wärmeinseln bis hin zu Anpassungen im öffentlichen Nahverkehr, und so umsetzbare Erkenntnisse gewinnen, bevor politische Maßnahmen oder Investitionen umgesetzt werden.
  • Helsinki nutzt seinen stadtweiten digitalen Zwilling, um den Energieverbrauch und die städtische Zoneneinteilung zu optimieren. Durch die Modellierung verschiedener Entwicklungsszenarien können Stadtbeamte beurteilen, wie sich Neubauten auf den Verkehr, die Luftqualität und die Energieeffizienz auswirken werden. So kann Helsinki proaktiv nachhaltige und lebenswerte Stadtviertel gestalten.
  • Rotterdam hat einen digitalen Zwilling genutzt, um die Hochwasserrisiken in dieser tief gelegenen Stadt zu bewältigen. Durch die Kombination von hydrologischen Daten mit Infrastrukturmodellen können Stadtingenieure extreme Wetterereignisse simulieren und im Voraus Strategien zu deren Eindämmung planen. Dies ist zu einem unverzichtbaren Instrument für die Anpassung an den Klimawandel und die öffentliche Sicherheit geworden.

Unternehmen, die den Markt vorantreiben

Mehrere Unternehmen spielen eine wichtige Rolle bei der Erstellung und Implementierung digitaler Zwillinge für Städte. Bentley Systems ist auf infrastrukturorientierte digitale Zwillinge spezialisiert und unterstützt Städte bei der Modellierung von Verkehrs-, Energie- und Versorgungsnetzen. Siemens bietet integrierte Tools für die Stadtsimulation, mit denen Kommunen die Energieverteilung, Mobilität und Gebäudeverwaltung optimieren können. Esri, ein weltweit führender Anbieter von geografischen Informationssystemen, unterstützt die räumliche Modellierung und Visualisierung und ermöglicht es Städten, die räumlichen Dimensionen städtischer Herausforderungen und Chancen zu verstehen.

Weitere bemerkenswerte Akteure sind Autodesk, das 3D-Modellierungs- und Simulationssoftware für die Stadtplanung anbietet, und Cityzenith, das sich auf die Integration von IoT-Daten in Stadtplanungsinstrumente konzentriert, um Echtzeit-Einblicke in städtische Abläufe zu ermöglichen.

Ausblick auf das Jahr 2026

Bis 2026 sollen digitale Zwillinge über Planungs- und Überwachungsfunktionen hinaus auch prädiktive und partizipative Funktionen übernehmen. Städte werden digitale Zwillinge zunehmend nicht nur zur Modellierung von Infrastruktur- und Energiesystemen, sondern auch von sozialen Verhaltensweisen, Mobilitätsmustern und Umweltrisiken einsetzen. Die Integration von KI wird Echtzeit-Prognosen ermöglichen, sodass Städte Staus, Energiespitzen und sogar Herausforderungen im Bereich der öffentlichen Gesundheit vorhersehen können. Darüber hinaus wird das Engagement der Bürger durch digitale Zwillinge gefördert, da die Einwohner visualisieren können, wie sich Projekte auf ihre Nachbarschaft auswirken werden, und vor der Umsetzung Feedback geben können.

Digitale Zwillinge werden auch für Strategien zur Klimaresilienz unverzichtbar sein. Angesichts extremer Wetterereignisse, steigender Meeresspiegel und sich verändernder Bevölkerungsdichten in städtischen Zentren bieten diese virtuellen Modelle die notwendige Vorausschau, um die Infrastruktur anzupassen und die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten.

Bousta zum Mitnehmen

Digitale Zwillinge von Städten sind mehr als nur eine technologische Neuheit, sie sind strategische Werkzeuge, mit denen Städte die Zukunft simulieren können, bevor sie sie gestalten. Durch die Bereitstellung einer virtuellen Sandbox für Planung, Überwachung und Bürgerbeteiligung ermöglichen digitale Zwillinge Entscheidungsträgern, städtische Systeme zu optimieren, Risiken zu reduzieren und die Lebensqualität zu verbessern. Für Städte, die nachhaltig, widerstandsfähig und lebenswert sein wollen, ist die Investition in digitale Zwillingstechnologie keine Option, sondern eine Notwendigkeit.