Die 50 Reiseziele, die „Coolcations“ zu einem globalen Reisemarkt machen
Früher wurden Sommerurlaube mit einer Reihe bewährter Bilder beworben: südliches Licht, ein Tisch im Freien und genug Wärme, um den Großteil des Nachmittags am Wasser zu verbringen. Im Jahr 2026 lässt sich dieses Versprechen immer schwerer einhalten. Reisende sehnen sich zwar nach wie vor nach Sonnenschein, doch immer weniger möchten eine teure Woche damit verbringen, ihren Tagesablauf ständig an extreme Temperaturen, Waldbrandwarnungen oder ein Hotelzimmer anzupassen, das sich nie richtig abkühlt.
Dies ist der Markt, der hinter der Liste der 50 „Coolcation“-Reiseziele für 2026 von „Travel and Tour World“ steht. Die Schweiz führt das Ranking an, gefolgt von Kanada, den Vereinigten Staaten, Island und Russland, wobei auch Länder wie Japan, Norwegen und das Vereinigte Königreich ganz vorne mit dabei sind.
Die Bandbreite der Liste zeigt, wie weit gefasst der Begriff “Coolcation” mittlerweile verwendet wird. Er kann einen Fjordurlaub in Norwegen, einen Aufenthalt in den Alpen in der Schweiz, eine Reise durch die kanadische Wildnis oder einen Ausflug in höhere Lagen innerhalb eines ansonsten heißen Landes beschreiben. Was diese Orte verbindet, ist nicht ein bestimmtes Klima oder eine bestimmte Art des Reisens, sondern das Versprechen eines Sommerurlaubs, der körperlich gut zu bewältigen ist.
Dieses Versprechen hat wirtschaftliches Gewicht. Aktuelle Daten aus der Reisesuche deuten auf ein stark gestiegenes Interesse an kühleren Reisezielen hin, während Nordeuropa, Bergregionen und Inseln mit gemäßigtem Meeresklima gezielter als Alternativen zum Hochsommer vermarktet werden. Doch eine kühlere Durchschnittstemperatur führt nicht automatisch zu einem besseren Urlaub. Erreichbarkeit, Niederschlagsmenge, Saisonabhängigkeit, Unterkunftskapazitäten und Preis entscheiden darüber, ob ein Reiseziel über die Schlagzeilen hinaus überzeugt.
Die TTW-Rangliste sollte daher nicht als maßgebliche Rangliste betrachtet werden, sondern vielmehr als Orientierungshilfe dafür, in welche Richtung sich die Nachfrage im Sommer entwickeln könnte.
Warum die Nachfrage nach „Coolcations“ keine Nische mehr ist
Die Hitze hat Reiseentscheidungen schon immer beeinflusst, doch sie spielt zunehmend schon vor der Buchung eine Rolle.
Reisende, die im Juli oder August eine Reise nach Südeuropa planen, müssen nun damit rechnen, dass die Bedingungen tagsüber das Spazierengehen, Sightseeing und Essen im Freien zu den Zeiten einschränken, zu denen sie diese Aktivitäten normalerweise genießen würden. Die Hitze kann zudem den Verkehr beeinträchtigen, die Gefahr von Waldbränden erhöhen und den Aufenthalt in Unterkünften ohne wirksame Kühlung deutlich weniger angenehm machen.
Das bedeutet jedoch nicht, dass Reisende Spanien, Griechenland oder Italien den Rücken kehren. Aktuelle Buchungsdaten zeigen weiterhin eine starke Nachfrage nach Südeuropa, was auf die Vertrautheit mit diesen Reisezielen, die gute Fluganbindung und die anhaltende Anziehungskraft des Mittelmeers zurückzuführen ist. Die Veränderung ist subtiler: Immer mehr Reisende vergleichen diese etablierten Reiseziele mit Skandinavien, Island, Schottland, den Alpen, den Atlantikinseln und anderen Orten, an denen die Tagestemperaturen ein umfangreicheres Reiseprogramm ermöglichen.
Trip.com vermeldete einen Anstieg der Suchanfragen im Zusammenhang mit kühleren Sommerreisezielen und Kurzurlauben um 237 Prozent. Eine separate Reiseanalyse für das Jahr 2026 hat ein starkes Interesse an „Coolcations“ in Ländern wie Island, Norwegen und der Schweiz festgestellt, wobei das Ausmaß der gemeldeten Zuwächse je nach Erhebungszeitraum, Markt und Suchbegriffen variiert.
Dieser Trend ist besonders für Familien, aktive Reisende und ältere Besucher von Bedeutung. Ein Städtetrip mit Schwerpunkt auf Museen und Restaurants kann auch bei großer Hitze machbar sein, vorausgesetzt, das Hotel und die Verkehrsmittel sind ausreichend klimatisiert. Ein Wander-, Rad- oder Mehrgenerationenurlaub ist hingegen stärker von den Temperaturen abhängig, da ein Großteil des Erlebnisses darin besteht, mehrere Stunden im Freien zu verbringen.
Bei „Coolcation“-Reisen geht es folglich weniger darum, kaltes Wetter zu bevorzugen, als vielmehr darum, den nutzbaren Teil des Urlaubs zu sichern.
Die Schweiz bietet Komfort, aber das hat seinen Preis
Die Spitzenposition der Schweiz auf der TTW-Liste ist aus wirtschaftlicher Sicht nachvollziehbar. Das Land vereint die Höhenlage der Alpen mit einem zuverlässigen Verkehrsnetz, hochwertigen Unterkünften und der Möglichkeit, sich ohne Auto zwischen Städten, Seen und Bergen zu bewegen.
Der Sommer in Reisezielen wie St. Moritz, im Engadin, in Zermatt, in Gstaad und im Berner Oberland bietet auf relativ kleinem Raum ein breites Spektrum an Temperaturen. Reisende können am See übernachten, tagsüber in den Bergen wandern und abends in eine Stadt mit gut ausgebauter Infrastruktur zurückkehren, anstatt sich zwischen Wildnis und Komfort entscheiden zu müssen.
Dies macht die Schweiz besonders attraktiv für Reisende, die der Hitze entfliehen möchten, ohne sich mit komplizierten logistischen Vorkehrungen herumschlagen zu müssen. Das Eisenbahnnetz ermöglicht Reisen mit mehreren Zielen, während ehemalige Winterferienorte zunehmend umfangreiche Sommerprogramme mit Wanderungen, Radtouren, Wellness, Golf und kulturellen Veranstaltungen anbieten.
Der Schwachpunkt sind die Kosten. Hotels, Restaurants, Bergbahnen und der Nahverkehr können dazu führen, dass die Schweiz deutlich teurer ist als konkurrierende Bergreiseziele. Das Preis-Leistungs-Verhältnis im Sommer ist am besten, wenn Reisende die Infrastruktur nutzen, anstatt Schweizer Preise für einen weitgehend passiven Urlaub im Ferienort zu zahlen.
Auch die Höhenlage sollte man sich bewusst machen, anstatt sie einfach vorauszusetzen. An einem Reiseziel in der Schweiz kann es während einer Hitzewelle immer noch warm sein, insbesondere in tieferen Lagen. Die relevante Unterscheidung erfolgt nicht zwischen der Schweiz und dem Mittelmeerraum, sondern zwischen einer Stadt am See, einem Ferienort im Tal auf 1.000 Metern Höhe und einer Unterkunft, die deutlich höher in den Bergen liegt.
Für Käufer spielen neben dem historischen Klima des Reiseziels auch die Ausrichtung der Zimmer, die Belüftung und die Klimatisierung eine Rolle. Ein “kühles” Berghotel mit nach Westen ausgerichteten Zimmern und ohne aktive Kühlung kann während einer ungewöhnlich warmen Woche unangenehm sein.
Kanada und die Vereinigten Staaten sind zu groß, um sie unter einem Begriff zusammenzufassen
Die Einstufung Kanadas und der Vereinigten Staaten als eigenständige „Coolcation“-Reiseziele verdeutlicht eine der Schwächen von Ranglisten auf Länderebene. Beide Länder weisen arktische, maritime, gebirgige und kontinentale Klimazonen auf; im Falle der Vereinigten Staaten kommen zudem subtropische und Wüstenklimazonen hinzu.
Die nützlichen Ziele sind konkret.
In Kanada bieten die Küstenregion von British Columbia, die Rocky Mountains, Neufundland und Labrador, Nova Scotia sowie Teile von Québec mildere oder aktivere Alternativen für den Sommer. Jede dieser Regionen bringt unterschiedliche praktische Einschränkungen mit sich. Die Rocky Mountains bieten Höhenlage und eine atemberaubende Landschaft, allerdings kann es dort zu Waldbrandrauch, hoher saisonaler Nachfrage und teuren Unterkünften kommen. Der atlantische Teil Kanadas ist oft kühler, doch das Wetter kann wechselhaft sein und die Verkehrsanbindung ist ohne Auto weniger bequem.
Auch die Vereinigten Staaten bieten eine vergleichbare Vielfalt. Alaska ist die eindeutig beste Wahl für einen „Coolcation“-Urlaub, während die Bergregionen in Colorado, Wyoming und Montana eher durch ihre Höhenlage als durch ihre nördliche Breite überzeugen. Auch Maine und Teile des pazifischen Nordwestens kommen in Frage, obwohl keine Region vor außergewöhnlicher Hitze oder Waldbränden gefeit ist.
Bei Reisen in Nordamerika ist besondere Vorsicht hinsichtlich der Entfernungen geboten. Ein Reiseziel mag auf einer Landkarte zwar günstig gelegen erscheinen, erfordert aber möglicherweise dennoch einen Inlandsflug, eine lange Autofahrt oder nur begrenzte regionale Verkehrsverbindungen. Für europäische Reisende sind Kanada oder Alaska selten eine einfache Alternative zu einer Woche in den Alpen, wenn man Flugzeit, Mietwagen und Transfers vor Ort mit einberechnet.
Diese Reiseziele sind vor allem dann sinnvoll, wenn das kühlere Klima Teil eines umfassenderen Erlebnisses ist: Tierbeobachtungen, Nationalparks, Wandern, Bahnreisen oder eine Reise entlang der Küste. Die Temperatur allein ist kein ausreichender Grund, um die zusätzlichen Entfernungen und Kosten in Kauf zu nehmen.
Island verkauft die Gewissheit einer besonderen Atmosphäre, nicht die Gewissheit des Wetters
Island ist mittlerweile fast schon zum Synonym für den „Coolcation“-Trend geworden. Seine Anziehungskraft im Sommer beruht auf den langen Tageslichtstunden, den außergewöhnlichen Landschaften und den Temperaturen, die eher gemäßigt als heiß sind.
Das touristische Angebot ist überzeugend, da das Land ein unverwechselbares Erlebnis bietet, das sich anderswo nur schwer nachahmen lässt. Wasserfälle, geothermische Gebiete, Gletscher, Vulkanlandschaften und die Ringstraße bilden eine natürliche Reiseroute und machen den Urlaub zu mehr als nur einer Flucht vor der Hitze.
Der Nachteil ist die Unbeständigkeit des Wetters. Kühler bedeutet nicht unbedingt, dass es ruhig oder trocken ist. Wind und Regen können sich schnell ändern, weshalb wasserdichte Kleidung und flexible Pläne wichtiger sind als bei einem herkömmlichen Urlaub im Ferienort.
Island zeigt zudem, wie die Nachfrage genau jene Qualitäten untergraben kann, die „Coolcation“-Reisende suchen. Die Preise für Unterkünfte und Mietwagen steigen während der kurzen Sommersaison, beliebte Sehenswürdigkeiten sind überfüllt, und die Belastung der Infrastruktur konzentriert sich auf eine begrenzte Anzahl von Routen.
Eine gelungene Reise bedeutet vielleicht eher, länger an weniger Orten zu verweilen, als zu versuchen, die Insel wie eine Checkliste abzuhaken. Reisende, die Ruhe suchen, sollten ihren Blick über die stark frequentierte Südwestroute hinaus richten, müssen dann aber längere Autofahrten und eine geringere Auswahl an Unterkünften in Kauf nehmen.
Norwegen und die Färöer bieten unterschiedliche Facetten des Nordens
Die norwegischen Fjorde und die Nordküste zählen zu den überzeugendsten Alternativen für einen „Coolcation“-Urlaub, da sie moderate Sommerbedingungen mit einer gut ausgebauten Verkehrs- und Tourismusinfrastruktur verbinden.
In Bergen und an den westlichen Fjorden kann es regnerisch sein, während Reiseziele im Norden wie die Lofoten und Tromsø lange Tageslichtzeiten und beeindruckende Landschaften bieten. Die beste Wahl hängt davon ab, ob der Reisende Wert auf Wandern, Autoreisen, die Kultur an der Küste oder eine gute Erreichbarkeit legt.
Norwegen ist nicht unbedingt günstiger als die Schweiz, insbesondere wenn man die Restaurantpreise und die Transportkosten mit einbezieht. Dennoch kann es für Reisende, die den Großteil des Tages im Freien verbringen und die Unterkunft eher als Ausgangspunkt denn als das eigentliche Erlebnis betrachten, ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis bieten.
Die Färöer-Inseln bieten eine intensivere und ursprünglichere Variante desselben Konzepts. Die dortige Tourismusbehörde vermarktet den Archipel ausdrücklich als Zufluchtsort vor der Sommerhitze – mit Wandermöglichkeiten, Vogelwelt, Steilküsten und Dörfern, die durch ein immer besser ausgebautes Netz aus Straßen, Tunneln und Fähren miteinander verbunden sind.
Das Klima ist maritim, was milde Temperaturen, aber häufigen Wind, Bewölkung und Regen bedeutet. Reisende sollten darauf vorbereitet sein, dass sich Pläne je nach Sichtverhältnissen und Wetterlage ändern können. Aufgrund des begrenzten Angebots an Unterkünften und Flügen ist eine frühzeitige Buchung wichtig.
Die Färöer-Inseln sind am besten für Besucher geeignet, die das Wetter als Teil der Landschaft betrachten und nicht als Störung derselben.
Japan zeigt, dass „Coolcation“-Reisen nicht nur im Norden beliebt sind
Dass Japan auf dieser Liste steht, ist aufschlussreicher als die Präsenz von Island oder Norwegen, da es im Sommer in weiten Teilen des Landes extrem heiß und schwül sein kann. Die Möglichkeit für einen „Coolcation“-Urlaub liegt darin, die richtige Region oder Höhenlage auszuwählen.
Hokkaido bietet eine geringere Luftfeuchtigkeit und im Allgemeinen mildere Sommerbedingungen als Tokio, Kyoto und Osaka. Seine Nationalparks, Lavendelfelder, Seen und seine Esskultur bieten genügend Anreize für eine Reise, ohne dass man die Insel lediglich als klimatischen Zufluchtsort betrachten muss.
Auch die Bergregionen in den Japanischen Alpen können Abkühlung bieten, wenngleich die Verkehrsverbindungen, die Niederschlagsmengen und die Höhenlage variieren. Reisende, die diese mit einem Aufenthalt in Tokio oder Kyoto verbinden, sollten sich dennoch auf intensive Hitze während des städtischen Teils ihrer Reise einstellen.
Diese regionale Logik gilt auch für andere Einträge auf der umfangreichen Liste von TTW. Ein Land muss nicht durchgehend kühl sein, um einen attraktiven „Coolcation“-Urlaub zu ermöglichen. Nebelwälder, Hochebenen und Bergferienorte können in wärmeren Ländern angenehme Mikroklimata schaffen.
Die Gefahr besteht darin, dass die Werbesprache den Unterschied zwischen dem durchschnittlichen Klima eines Landes und den Bedingungen am tatsächlich gebuchten Ort verschleiert.
Das Vereinigte Königreich bietet eher Zugang als garantierten Sonnenschein
Die Anziehungskraft des Vereinigten Königreichs als „Coolcation“-Reiseziel beruht auf Landschaften, die auch ohne hohe Temperaturen überzeugen: die schottischen Highlands, Inseln, Nationalparks, Küstenwege und kleinere Kulturstädte.
Schottland ist die beste Wahl für Reisende, die nach einer vollwertigen Alternative für den Sommer suchen. Es vereint Berge, Seen, historische Anwesen, Golf und Küstenrouten, doch die Qualität und Verfügbarkeit der Unterkünfte können stark variieren. Die attraktivsten Gegenden sind oft am einfachsten mit dem Auto zu erreichen, während Regen und Mücken das Reiseerlebnis beeinträchtigen können.
Nordengland, Wales und Nordirland bieten ähnliche Vorzüge, sind jedoch international weniger bekannt. Außerdem lassen sie sich leichter mit einer Bahnreise oder einem Städtetrip kombinieren.
Die Einschränkung liegt auf der Hand: Kühleres Wetter bedeutet nicht zwangsläufig angenehmes Wetter. Für einen britischen „Coolcation“-Urlaub braucht man Unterkünfte und Aktivitäten, die auch bei Regen noch Spaß machen. Ein wunderschöner Ort, an dem man einen regnerischen Nachmittag nicht gemütlich verbringen kann, ist kein attraktives Angebot – egal wie mild die Temperaturen auch sein mögen.
Das Vereinigte Königreich lässt sich daher besser anhand der Robustheit der Reiseroute bewerten als allein anhand der Prognose.
Das Ranking lässt die schwierigste Frage außer Acht: die Kapazität
Das „Coolcation“-Marketing stellt Reiseziele im Norden und in den Bergen häufig als menschenleere Alternativen zu den überfüllten Ferienorten am Mittelmeer dar. Viele dieser Reiseziele sind jedoch nicht darauf ausgerichtet, eine Nachfrage in vergleichbarem Umfang zu bewältigen.
Auf einer kleinen Insel, in einem Fjorddorf oder in einem Bergtal sind das Hotelangebot, das saisonale Personalangebot und die Verkehrsinfrastruktur möglicherweise begrenzt. Schon ein geringer Anstieg der Besucherzahlen kann zu Preissteigerungen führen, die Unterbringungsmöglichkeiten überlasten und die Wanderwege oder Aussichtspunkte überfüllen, die das Reiseziel ursprünglich so attraktiv gemacht haben.
Die nordischen Tourismusverbände müssen sich bereits jetzt Gedanken darüber machen, wie die steigende Nachfrage geografisch und saisonal verteilt werden kann. Die wirtschaftlichen Chancen sind beträchtlich: Längere Sommersaisonen können die Abhängigkeit vom Wintertourismus verringern und über einen größeren Teil des Jahres hinweg Arbeitsplätze sichern. Das Risiko besteht darin, dass sich die gleiche Konzentration von Besuchern, wie sie bisher mit Barcelona, Venedig oder Dubrovnik in Verbindung gebracht wurde, auf kleinere Gemeinden verlagert, die weniger Kapazitäten haben, diese aufzunehmen.
Für Investoren im Gastgewerbe ergeben sich dadurch Chancen in den Bereichen Unterkünfte in der Nebensaison, geführte Aktivitäten, Transport sowie Angebote für längere Aufenthalte. Dies erfordert jedoch auch Zurückhaltung. Neue Kapazitäten, die von einem kurzlebigen Reiselabel oder optimistischen Klimaprognosen abhängen, lassen sich unter Umständen nur schwer aufrechterhalten.
So wählst du einen „Coolcation“-Urlaub aus, der wirklich funktioniert
Die Entscheidung sollte in erster Linie von der Aktivität abhängen, nicht von der Temperatur. Ein Reisender, der Wandern, Schwimmen, Kultur oder einen erholsamen Hotelaufenthalt sucht, braucht ein anderes Reiseziel, auch wenn alle vier als „cool“ beworben werden.
Historische Monatsdurchschnittswerte bieten einen nützlichen Ausgangspunkt, sollten jedoch durch Angaben zu Höhenlage, Luftfeuchtigkeit, Niederschlagsmenge und der Wahrscheinlichkeit von Extremereignissen ergänzt werden. Eine Tageshöchsttemperatur von 22 °C fühlt sich bei Wind und Regen anders an als dieselbe Temperatur unter klarer Alpensonne.
Die Erreichbarkeit sollte von Tür zu Tür berechnet werden. Ein Direktflug, auf den eine vierstündige Autofahrt folgt, ist möglicherweise weniger bequem als ein wärmeres Reiseziel, das mit der Bahn erreicht wird. Reisende sollten außerdem prüfen, ob sie sich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln vor Ort an Wetteränderungen anpassen können.
Die Unterkunft verdient eine genauere Betrachtung, als es der Begriff „Coolcation“ vermuten lässt. Einige Hotels im Norden und in den Bergen wurden für historisch milde Sommer gebaut und verfügen daher nicht über eine Klimaanlage. Das mag in einer normalen Woche keine Rolle spielen, kann aber in einer außergewöhnlichen Woche unangenehm sein. Bewertungen, in denen die Ausrichtung der Zimmer, die Belüftung und die Nachttemperaturen erwähnt werden, können hilfreicher sein als die allgemeine Beschreibung des Hotels.
Der Preis ist der entscheidende Faktor. Kühle Reiseziele werden oft als ruhigere Alternativen angepriesen, doch Island, Norwegen, die Schweiz und die beliebtesten Regionen Kanadas können während ihrer kurzen Hochsaison teuer sein. Die Reise ist ihren höheren Preis wert, wenn die Landschaft, die Aktivitäten und der Service die Reise auch ohne das Argument der Hitzevermeidung rechtfertigen würden.
Die Liste von TTW spiegelt einen echten Wandel im Reiseverhalten wider, doch die Rangliste selbst ist weniger wichtig als das dahinterstehende Marktsignal. Sommerreisen sind geografisch gesehen nicht mehr so selbstverständlich wie früher. Reisende gehen nicht mehr davon aus, dass das südlichste Reiseziel das beste Sommererlebnis bietet.
Gewinner werden jene Orte sein, die moderate Bedingungen bieten können, ohne sich ausschließlich auf die Temperatur als einzige Attraktion zu verlassen. Ein „Coolcation“-Urlaub sollte immer noch ein Urlaub sein und nicht einfach nur eine Flucht vor heißeren Gegenden.

